In diesem Jahr wurde auf der Comic Invasion Berlin eine pastellfarbene Bärencrew der Illustratorin Hong Le zum Herzstück des Festivals: die Struggle Bears.

Jeder Bär verkörperte eine vertraute kreative Herausforderung und griff dabei spielerisch das Festivalthema 2025 Be_hinderung auf. Sie prägten unsere Plakate, begleiteten die Besucher:innen und brachten eine sanfte Wärme in das Hauptfestival im Museum für Kommunikation Berlin im Mai.

Einige Zeit nach dem Festival, bei Kaffee und einem Teller mit kleinen Küchlein an einem sonnendurchfluteten Nachmittag, setzte ich mich mit Le zusammen, um über Fantasie, Arbeitsprozesse und die ungewöhnliche Reise der Gestaltung unserer Festivalmaskottchen zu sprechen.

Wie die Bären entstanden

Hallo Le! Es ist so schön, dich wiederzusehen. Wir schwelgen immer noch in Erinnerungen an deine bezaubernden Bären. Was war deine ursprüngliche Idee bei ihrer Entstehung?
Hong Le: Hallo Amé! Vielen Dank für die Einladung. Ich habe mich sehr geehrt gefühlt – wenn auch ein wenig nervös –, denn ich habe die CIB schon immer geliebt. Zu dieser Zeit steckte ich selbst in einer kreativen Blockade und wollte etwas erschaffen, mit dem ich mich wirklich verbinden konnte. Meine erste Idee war, ein Team von Maskottchen zu entwerfen, fast wie Superhelden oder Power Rangers, die gemeinsam mit ihren Schwierigkeiten umgehen und am Ende ihre Stärken bündeln, um mit Comics „die Welt zu retten".

Basieren ihre Kämpfe auf deinen eigenen Erfahrungen?
Le: Größtenteils ja. Die einzige Ausnahme ist GranPower-Bear, der für Alter und Weisheit steht – so weit bin ich noch nicht, haha. Die anderen spiegeln aber definitiv meine eigenen Herausforderungen wider, etwa Schwierigkeiten, Comics anzufangen oder zu beenden.

Die Entstehung der Struggle Bears

Kannst du deinen kreativen Prozess beschreiben? Bist du so vorgegangen wie bei deiner üblichen Figurenentwicklung?
Le: Ja, im Wesentlichen schon. Ich beginne mit Skizzen und schreibe dann Notizen, um Eigenschaften und Geschichten auszubauen. Die Bären entstanden konkret daraus, dass ich in meinem Nebenjob sehr viele Bären gezeichnet habe – außerdem passten sie gut zu Berlin. Aus diesen frühen Skizzen und Notizen entwickelte sich ganz natürlich eine kleine Gruppe mit klar unterscheidbaren Persönlichkeiten.

Wie bist du bei der Farbwahl vorgegangen?
Le: Ich habe die offizielle CIB-Farbpalette als Grundlage genutzt, das hat vieles erleichtert. Dreamy wurde rosa, Teary blau – jede Farbe spiegelt einen Charakter wider.

Haben die Bären Geschlechter?
Le: Nein. Ich habe bewusst keine festgelegt, damit sich Menschen frei mit ihnen identifizieren können. Für mich sind sie einfach Bären.

Oanh's Delivery Service

Hast du eine Lieblingsfigur aus deinen eigenen Comics?
Le: Momentan ist es Oanh aus Oanh's Delivery Service. Zur Serie gehört auch Cam, der Tiger – „cam" bedeutet auf Vietnamesisch orange. Cam ist groß, weich und macht unglaublich viel Spaß zu zeichnen. In dieser Reihe kann ich sehr viele unterschiedliche Gesichtsausdrücke erkunden.

Kannst du uns mehr über die Serie erzählen?
Le: Oanh ist eine vietnamesische Frau, die gemeinsam mit Cam Blumen ausliefert. Es geht weniger um die Lieferungen selbst als darum, vietnamesische Kultur darzustellen. In einer Episode liefert sie zum Beispiel Blumen an ein kleines vietnamesisches Restaurant. Als vietnamesisch-deutsche Person, die in einem vietnamesischen Haushalt aufgewachsen ist, erinnern mich diese Szenen oft an meine eigene Kindheit.

Handwerkzeuge

Hast du ein Lieblingstier?
Le: Nicht wirklich eines. Ich zeichne viele Bären, aber sie sind nicht automatisch meine Lieblinge. Ich zeichne auch Cam, den Tiger, sehr gern, auch wenn Tiger schwieriger sind. Mein Hauptziel ist immer, die Tiere möglichst niedlich wirken zu lassen.

Deine bevorzugten Arbeitsmaterialien?
Le: Ich arbeite hauptsächlich digital mit Procreate auf meinem iPad. Bei traditionellen Medien bevorzuge ich Fineliner, da ich oft mit feinen Linien arbeite. Früher habe ich viel mit Aquarellfarben gearbeitet, und in letzter Zeit nutze ich sehr gern Acrylmarker von Arrtx.

Zum Abschluss noch ein paar Worte?
Le: Ich möchte mich bei der CIB bedanken, dass ich die Möglichkeit hatte, die Maskottchen dieses Jahres zu gestalten und zu illustrieren. Es war eine sehr bereichernde Erfahrung, und ich freue mich sehr, dass sie euch genauso gefallen, wie ich es genossen habe, sie zu erschaffen.

 

Als sich die Festivalstimmung legte, blieben Les Bären bei uns – schlicht, weil sie sich echt anfühlten: verspielt, unperfekt und voller Herz.

Wir sind Le dankbar, dieses unvergessliche Team zum Leben erweckt zu haben, und sind gespannt, wohin ihre Kreativität als Nächstes führt.

Auf viele weitere Geschichten, neue Figuren und den Funken, der uns Comics machen lässt.